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Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz

"Auschwitz - (k)ein Ort des Vergessen?" Vom 28.06.-03.07.2016 waren 22 Jugendliche zu einem Besuch des ehemaligen Vernichtungslagers in Auschwitz, um sich vor Ort ein Bild des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte zu machen. „Auschwitz muss man gesehen haben, um im Ansatz erahnen zu können, was hier wirklich los war,“ so die übereinstimmende Meinung der Fahrtteilnehmer am Ende.

Bei einem Zwischenstopp in der Gedenkstätte 'Topographie des Terrors' in Berlin und einem mehrstündigen Seminar zur den so genannten Frankfurter Auschwitz-Prozessen der 60er Jahre haben sich die Teilnehmer auf den Besuch der Lager vorbereitet. Thematisch ging es dabei um Augenzeugenberichte und Stellungnahmen der Täter zu den Geschehnissen im Lager. Vor allem seit den 60er Jahren begann in Deutschland eine beispiellose Aufarbeitung der Verbrechen, die im Zweiten Weltkrieg vor allem an der europäischen jüdischen Bevölkerung begangen wurde.

Nach der Ankunft in Auschwitz begann das Programm vor Ort zunächst mit einem Besuch der Synagoge und einer Führung zum jüdischen Leben des kleinen polnischen Ortes. Anschließend stand eine erste Besichtigung des Stammlagers I auf dem Programm, in dem u.a. Mängeles barbarische medizinischen Experimente stattgefunden haben. In anschließenden Reflexionsrunden konnten die Jugendlichen ihre Erfahrungen austauschen und versuchen Antworten auf offene Fragen zu finden. In einem zweiten Besuch des Stammlagers setze sich die Gruppe vor allem mit Kunst der Häftlinge auseinander. Die in der Kunstausstellung gezeigten Bilder zeigen beispielsweise Szenen aus dem Lagerleben, die von historischer Bedeutung sind, da sie immer wieder Hinweise auf historische Fakten geben, die bei der Aufarbeitung der Lagerzeit wichtig sind.

Mit einem Besuch des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau haben die Jugendlichen ihr Programm fortgesetzt. Der Gruppe wurde hier deutlich vor Augen geführt, dass der einzigeZweck der Lagers die systematische Vernichtung der Lagerinsassen, sofort oder innerhalbweniger Monate durch unmenschlichen Arbeitseinsatz war. Besondere Aufmerksamkeit zeigten die Jugendlichen bei einer der wenigen noch möglichen Zeitzeugengespräche. Prof. Waclaw Dlugoborsky, ehem. Häftling im Lager Auschwitz, erzählte von seinen persönlichen Erlebnissen, die bei den Lagerbesuchen der Gruppe bereits durch die Guides angesprochen worden waren. Anschließend zogen die Teilnehmer ein erstes Fazit. Es sei "mehr Zivilcourage im Alltag nötig", um Menschen verachtenden Äußerungen und Verhaltensweisen frühzeitig ein deutliches "STOPP!" entgegen zu setzen.

Eine weitere Station auf der Gedenkstättenfahrt war Krakau mit einer ausgedehnten Stadtführung zum jüdischen Leben in der polnischen Großstadt, das durch die Nazizeit fast völlig ausgelöscht wurde. Auf einer letzten Etappe schaute sich die Gruppe neben dem Film „Schindlers Liste“ mit der ehemaligen Blindenwerkstatt "Otto Weidt" ein weiteres Beispiel an, wie versucht wurde, jüdische Mitbürger vor der Deportation zu bewahren. Schließlich stand noch der Besuch des Holocaust Mahnmals an.

Die Diskussion um die Frage, ob Auschwitz (k)ein Ort des Vergessens sei, wurde durch die Teilnehmer schnell beantwortet. Die Erinnerung an die Vergangenheit und was in Auschwitz und anderen Orten im Namen des deutschen Volkes getan wurde droht derzeit nicht in Vergessenheit zu geraten. Damit dies so bleibe, müssen Fahrten wie diese auch in Zukunft unterstützt werden, um jungen Menschen das Bewusstsein der Verantwortung für Geschichte zu erhalten. Das Erfahrene sei vor allem Teil der deutschen und europäischen Geschichte, wenngleich Menschen in aller Welt davon betroffen waren. In Zeiten großer Bewegungen von Menschenströmen, sei es wichtig, dass auch diejenigen, die neuer Teil der europäischen Gesellschaft werden, Zugang zu den Erfahrungen der Vergangenheit finden. Nur so können die Konsequenzen, die die Menschen hieraus nach dem Zweiten Weltkrieg gezogen haben, auch weiterhin bewahrt und im Sinne der Menschlichkeit fortentwickelt werden.

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